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Die Seite wurde zuletzt aktualisiert am
23/10/2006
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DER FILM
DAS BUCH
BIBLIOGRAPHIE EINES SOMMERTAGES


Carlo Giuliani, Ragazzo (Carlo Giuliani, ein junger Mann)

Regie: Francesca Comencini
Produktion: Luna Rossa Cinematografica
Drehbuch: Francesca Comencini, Luca Bigazzi
Montage: Linda Taylor
Jahr: 2001
Als VHS erhältlich (auf Italienisch mit Untertiteln).

"Eine Mutter erzählt von den letzten Stunden ihres Sohnes, vom Mittag an, als er aus dem Haus geht, bis zum Nachmittag, als er erschossen wird. Eine andere Mutter hört ihr zu, nimmt ihre Stimme auf, ihr Gesicht, ihre Erzählung. Zwischen den beiden Frauen zieht die Menschenmenge vorbei, die Genua überflutete, um den Herrschern der Welt im Weg zu stehen, sowie den Eckstein eines neuen Hauses einer neuen Welt zu bilden. Der junge Carlo Giuliani, Sohn der Haidi, ist heute Asche.
Seine Mutter verflucht weder diesen Tag, diese Stunde, noch den Mörder. Sie spricht von ihrem Kind, der auf der Strasse umgebracht wurde und gibt ihn uns weiter, weil dieser Sohn auch unser ist und auf der Strasse bleibt".
(Erri De Luca, italienischer Schriftsteller)



Un anno senza Carlo(Ein Jahr ohne Carlo)
von Haidi und Giuliano Giuliani
mit Antonella Marrone (Journalistin der Zeitung Unità)
Nur auf italienisch erhältlich
Baldini&Castoldi (128Seiten, 11,40 Euro)

Genua, 20.Juli 2001. Während den Zusammenstössen zwischen den Ordnungskräften und den Anti-G8- Demonstranten schiesst jemand zwei Mal mit einer Pistole. Ein Schuss trifft den 23jährigen Carlo Giuliani im Gesicht und bringt ihn um. Carlo hatte einen Feuerlöscher in seinen Händen. Ein Jahr später - ein Jahr richterlich-politischer Polemiken, Ermittlungen durch die genueser Staatsanwaltschaft, parlamentarischer Untersuchungskommissionen, Irreführungen und Knalleffekten - hat die Journalistin Antonella Marrone Haidi und Giuliano, Carlos Eltern, getroffen. Sie hat sich angehört, wie sich das Leben der Beiden nach dem Tod ihres Sohnes sich verändert hat. Was herausgekommen ist, ist eine Art Tagebuch zwischen Vergangenheit und Zukunft, Gedankenstränge, Erinnerungen und Stimmen, die sich verknüpfen.

"Un anno senza Carlo" ist der aufrecht begangene Weg eines Vaters und einer Mutter in Richtung einer Wahrheit, die immer noch geleugnet wird. Es ist ein Jahr der Arbeit, ein Jahr geduldigen Prüfens von Bildern, Video-Aufnahmen, und Dokumenten über die Tage in Genua. Ein Jahr während dem die Verzweiflung durch ziviles Engagement ersetzt wurde. Ethischer Imperativ des Ehepaars Giuliani wurde zu informieren (in Schule, Gewerkschaftsversammlungen, Sozialforen), die Gewissen zu empören und nicht vergessen zu lassen. Das Buch, muss gesagt werden, klagt nüchtern und bewussten an. Es weckt den Verdacht, dass die Verantwortlichen der öffentlichen Ordnung das Provokationsniveau auf der Strasse erhöhen wollten, um die Repression zu legitimieren, und dass sie auf dieser Weise die Vorbedingungen für die "Falle" Piazza Alimonda geschafft haben. Das Buch drückt keinen Hass aus, es schreit nicht nach Rache, sondern bietet eine starke moralische Lehre: dass das Recht auf Gerechtigkeit weiter geht als bis zu den Schadensersatzforderungen des Opfers und den Rechtsstaat(der während jenen Tagen in den Dreck gezogen wurde) betrifft. Dass also diese Tragödie nutzen würde, damit es in Zukunft kein Mensch wagt, in einem demokratischen Land einen anderen jungen Menschen auf dieser Weise zu töten. Dazu kann man, die Erinnerung eines Sohnes benutzen, wenn's nötig ist.

"Heute freue ich mich über jedes Treffen, über jede neue oder wieder gefundene Freundschaft, die Carlo mir schenkt, obwohl er seit einem Jahr nicht mehr da ist. Heute fühle ich Schmerzen für all die Freude, die ich mit ihm nicht teilen kann, und Zorn auf diejenigen, die tagtäglich Tote planen, denen ein Leben weniger Wert als die Börse ist. Zorn auf diejenigen(diejenigen, nicht denjenigen), die ihn getötet haben und die ihn immer noch töten. Ein Jahr ohne Carlo, ein Jahr während dem man weint, sich hektisch beschäftigt, immer was macht, um nicht zu denken. Ein Jahr während dem man denkt, bald ist das Chaos vorbei und er kommt heim. Dann erinnerst du dich an jene Leere und du hältst dich verzweifelt an seinen Kuss, an sein Hallo, an die Wärme von ihm, während er auf dem Sofa schläft und ich neben ihm niederkauere. Ich habe 23 Jahre mit Carlo gelebt. Wie lange werde ich gezwungen sein, ohne ihn zu leben?"

Info: Pressebüro:
tel.00 39 02/58450230- 58450214 - 58450241
usta@baldini.editore.it

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