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Die Seite wurde zuletzt aktualisiert am
23/10/2006
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KURZE CHRONOLOGIE DER GESCHEHNISSE DES 20. JULI 2001: PIAZZA ALIMONDA 17.27 UHR

Freitag, 20. Juli
Der Vize-Premier Gianfranco Fini und andere Exponenten der Partei "Alleanza Nazionale", darunter auch Ascierto, befinden sich in der Kaserne der Carabinieri von San Giuliano, wo sie sich mehrere Stunden aufhalten. Die Ordnungskräfte werden der Demoroute entlang und in der Nähe der Themenplätze aufgestellt.
Die Abfallkörbe sind beseitigt worden, die Mülltonnen hingegen, stehen noch fast alle da.
Schon am Morgen erscheint der Black Block: Gruppen von 10, 15, höchstens 20 Personen, viele davon mit ausländischem Akzent, ziehen durch die Stadt und zerstören Schaufenster, setzen Müllcontainer, Autos, Motorräder in Brand.
Sie verschaffen sich Steine, Eisenstangen und Holzstöcke.
Mehrere Einwohner aus verschiedenen Stadtteilen benachrichtigen die zuständigen Behörden.
Eine Gruppe findet sich in der Piazza Paolo da Novi zusammen, dem Themenplatz der Basisgewerkschaft Cobas, reisst Pflastersteine von der Strasse und füllt damit einige Müllcontainer.
Einige DemonstrantInnen versuchen, sie daran zu hindern.
Die Ordnungskräfte schauen dabei zu, tun aber nichts.
Sie weichen zurück, schiessen mit Tränengas, rennen ein paar Mal hinter ihnen her, ohne sie zu fassen.
(Verschiedene Videoaufnahmen, auch vom Samstag, zeigen merkwürdige Gestalten, die sich zuerst mit den Polizisten unterhalten, um sich dann dem Black Block anzuschliessen. Andere Aufnahmen zeigen Leute, die auf einem Motorrad zwischen dem Black Block und der Polizei hin- und herfahren).
Der Black Block durchgeht die Eisenbahnunterführung, die zum Corso Torino führt, und teilt sich dann in zwei Gruppen: die eine geht Richtung Gefängnis, die andere zur Piazza Manin.
15.00 Uhr. Eine Videoaufnahme zeigt mehrere Panzerwagen der Carabinieri und verschiedene Polizeieinheiten, die in der Piazza vor dem Gefängnis Marassi stationiert sind.
Etwa zwanzig vom Black Block nähern sich dem Gefängnis und werfen Steine.
Die Carabinieri ziehen sich zurück.
Der Black Block schlägt verschiedene Fensterscheiben des Gefängnisses ein und setzen ein Fenster und das Eingangstor in Brand. Dann verziehen sie sich ungestört.
"Bewaffnet" mit Plastikschildern und Polstern aus leeren Plastikflaschen und Schaustoffteilen, verlässt unterdessen der Demonstrationszug der Disobbedienti das Carlini-Stadion, und bewegt sich langsam der bewilligten Route entlang, wo sie auf ausgebrannte Autos und ausgeschüttete Mülltonnen stossen.
Plötzlich wird der Zug in der Via Tolemaide von den Carabinieri, die von 4 Panzerwagen begleitet werden, brutal angegriffen. Wir machen darauf aufmerksam, dass die Demoroute, die im Voraus von den Disobbedienti mit dem Polizeipräsidium vereinbart wurde, bis zur Piazza Verdi (dem Platz vor dem Bahnhof Brignole) führt. Es fehlten also noch ca. 500 Meter bis zur Abgrenzung. Ausserdem ist die abgesicherte rote Zone noch weit entfernt.
Als Folge der Attacke ziehen sich die DemonstrantInnen in Richtung Corso Gastaldi zurück, wo sich der Menschenzug zusammenballt. Alle Fluchtwege sind versperrt: 10000 Personen drängen nach vorne, ohne zu wissen, was an der Spitze geschieht; eingekesselt zwischen der Mauer, der Bahnüberführung und einer ununterbrochenen Reihe von Gebäuden.
Der Schwarze Block ist inzwischen in der Piazza Manin angelangt, wo sich die Leute von Pax Christi, Mani Tese, Rete Lilliput, usw. befinden, und zieht ungestört weiter in Richtung Piazza Marsala. Hinter ihnen kommt die Polizei, die Tränengaspetarden in die Menge schiesst und die Pazifisten zusammenschlägt, die widerstandslos dastehen und ihre weissgemalten Hände hochhalten. Dabei werden vor allem Frauen angefallen und verletzt.
In der Via Tolemaide ziehen sich unterdessen die Polizeikräfte und die Panzerwagen nach jedem Angriff auf die Disobbedienti wieder bis zur Kreuzung des Corso Torino zurück.
Eine Gruppe von DemonstrantInnen verfolgt die Carabinieri, wirft ihnen Steine nach und versucht, die Scheiben der Panzerwagen einzuschlagen.
Einer der Mannschaftswagen, der bis dahin mit Vollgas auf der Strasse herumraste und so einige Personen fast überfahren hätte, kollidiert im Rückwärtsgang mit einem Müllcontainer und bleibt plötzlich stehen. Der Fahrer flüchtet und lässt seine Kollegen im Wagen.
Die Carabinieri, die etwas weiter vorne stehen, greifen nicht ein.
Die DemonstrantInnen, die nun sichtlich wütend sind, greifen den Wagen mit Steinen und Stöcken an: die Carabinieri, die sich noch im Wagen befinden, dürfen aber aussteigen und weglaufen. Danach wird der Wagen in Brand gesetzt.
Die Polizei drängt den Demozug in die via Tolemaide zurück.
Es ist ungefähr 16.30 Uhr, als Carlo sich dem Zug der Disobbedienti anschliesst. Mittlerweile sind die DemonstrantInnen völlig erschöpft. Seit Stunden eingekesselt, den wiederholten Attacken der Polizei ausgesetzt, vom Tränengas vergiftet, von den Wasserwerfern verätzt, versuchen sie immer wieder, in die Nebenstrassen zu entweichen, um ins Carlini zurückkehren zu können.
Carlo trägt eine blaue Trainingshose, ein weisses Unterhemd und eine graue Trainingsjacke, die er um die Hüften gebunden hat.
Wieder greifen die Sicherheitskräfte die Zugspitze an: Panzerwagen rasen mit 70Km/h auf die Leute zu, ätzende Substanzen und CS Tränengas werden in rauen Mengen verstreut. Dazu kommen die Schüsse der Feuerwaffen und der erbarmungslose Einsatz der Tonfa-Schlagstöcke.
Die DemonstrantInnen werfen Steine und Tränengaspetarden zurück und versuchen, mit den Müllcontainern kleine Barrikaden zu errichten.
Carlo zieht eine blaue Kopfbedeckung über.
Zwei schmale Strassen führen von der via Tolemaide zur Piazza Alimonda.
17.15 Uhr. Eine zwanzigköpfige Einheit der Carabinieri, von 2 Mannschaftswagen begleitet, stellt sich in einer dieser Nebenstrassen auf.
Wieder werden Tränengaspetarden in die Menge geschossen.
Die DemonstrantInnen reagieren.
Die Sicherheitskräfte ziehen sich plötzlich zurück und rennen ordnungslos durch die Piazza Alimonda in Richtung Via Caffa.
Sie werden von einer schreienden Gruppe von DemonstrantInnen verfolgt.
Die 2 Mannschaftswagen decken die flüchtende Polizeieinheit und fahren im Rückwärtsgang am ersten Müllcontainer vorbei.
Einer der Mannschaftswagen erreicht mit wenigen Lenkmanövern seine Kollegen in der Via Caffa, der andere Wagen fährt gegen einem halbleeren Container, der sich auf der rechten Seite der Strasse befindet, und bleibt dort stehen.
Nur einige Meter trennen den blockierten Wagen von den Polizisten, die sich mit Mannschafts- und Panzerwagen in der Via Caffa wieder aufreihen. Eine grössere Polizeieinheit befindet sich in der Piazza Tommaseo, am Ende der 300 Meter langen Via Caffa.
Einige DemonstrantInnen erreichen den stillstehenden Mannschaftswagen in der Piazza Alimonda. Ein paar von ihnen kehren in die Via Tolemaide zurück, andere werfen Steine gegen die Polizisten in der Via Caffa, noch andere greifen den Defender mit Steinen und Holzstöcken an.
Zum ersten Mal erscheint ein Feuerlöscher. Jemand hebt den Feuerlöscher auf und wirft ihn aus nächster Nähe gegen den Polizeiwagen: der Feuerlöscher trifft die Heckscheibe und fällt dann auf den hinten angebrachten Ersatzreifen. Aus der Heckscheibe kommt ein Militärstiefel, der den Feuerlöscher wegstösst. Der Feuerlöscher rollt auf die Strasse.
In diesem Augeblick befinden sich 4 Fotografen und 5 DemonstrantInnen in der Nähe des Wagens.
Aus dem Rückfenster erscheint eine Pistole.
Ein Junge sieht die Pistole, bückt sich und rennt davon.
Carlo kommt hinzu, beugt sich nach vorne, um den Feuerlöscher aufzuheben, richtet sich mit einer Rumpfdrehung wieder auf und befindet sich nun praktisch vor dem Heck des Defenders...
...Er hebt den Feuerlöscher über den Kopf...



In diesem Moment beträgt die Entfernung zwischen Carlo und dem Heckfenster des Polizeiwagens 3,37 Meter.
Es ist 17.27 Uhr.
Der erste Schuss wird abgefeuert.
Carlo fällt nach vorne und das Gewicht des Feuerlöschers reisst ihn mit sich in Richtung des Defenders, wo er auf der rechten Seite liegen bleibt.
Während die Demonstranten fluchtartig davonrennen, wird ein zweiter Schuss abgefeuert. Die Rückwärtsganglichter des Polizeiwagens leuchten auf.
Jemand ruft "stopp, anhalten", aber der Defender überrollt Carlos Körper zweimal, zuerst fährt er im Rückwärtsgang über Carlos Becken, dann wieder vorwärts über die Beine.
Nur 5 Sekunden nach dem zweiten Schuss ist der Defender bereits in der Via Caffa, hinter den aufgestellten Polizeikräften.
Die anwesenden Journalisten beginnen Carlo, der sterbend auf dem Boden liegt, zu fotografieren und zu filmen.
Ein paar DemonstrantInnen kommen hinzu und versuchen den Blutstrahl zu stoppen, der im Rhythmus des Herzschlages aus Carlos linkem Jochbogen strömt.
Jetzt rücken die Polizisten heran, sie schiessen einige Tränengaspetarden und zerstreuen die wenigen DemonstrantInnen, die noch anwesend sind.
Die Sicherheitskräfte kreisen den Körper ein.
10 Minuten später, als eine Sanitäterin des GSF versucht, Carlo zu helfen, schlägt sein Herz noch. Eine zweite Sanitäterin kommt hinzu.
Die Krankenschwestern ziehen Carlos Mütze herunter und bemerken eine grosse, tiefe Wunde auf der Stirn, die aber nicht blutet. Die Wunde wurde also verursacht, als Carlo schon tot war. An Carlos rechter Schläfe sind verschiedene Verletzungen und Schürfungen sichtbar.
Verschiedene Zeugen bestätigen, dass die Sicherheitskräfte mit Fusstritten auf Carlos Kopf eingeschlagen haben, bevor die Sanitäterinnen des GSF eintrafen.

Im Jahr 2002 bekennt der italienische Geheimdienst in seinem ersten Semesterbericht, dass während der Kundgebungen gegen das G8 Treffen in Genua "infiltrierte Rechtsextremisten im Schwarzen Block agierten".

Alles, was hier berichtet wird, ist in den zahlreichen Filmen sichtbar, die in dieser Webseite unter dem Stichwort Bibliographie verzeichnet sind. Auch die auf der Webseite veröffentlichten Gegenuntersuchungen enthalten viele Fotoaufnahmen, die unsere Aussagen bezeugen.
Was den Black Block und den Angriff auf das Gefängnis von Marassi anbelangt, ist Davide Ferrarios Film "Le strade di Genova" besonders aussagekräftig.



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